Kapitalanlage

Unser Ansatz

Die Bayerische Versorgungskammer verwaltet für 12 Versorgungswerke insgesamt Kapitalanlagen in Höhe von rund 81,7 Mrd. Euro (Buchwert, Stand 31.12.2019). Die Grundlage für die Investitionstätigkeit stellt die strategische Planung dar, die regelmäßig in einem Dreijahresrhythmus überarbeitet und aktualisiert wird. Die Ermittlung eines unter Berücksichtigung von Rendite- und Risikogesichtspunkten optimalen Portfolios für die Versorgungswerke erfolgt zum einen unter Berücksichtigung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften und zum anderen unter Berücksichtigung der versicherungsmathematischen Verpflichtungen. Die Grundlage hierfür ist das Asset-Liability-Management, welches gemeinsam vom aktuariellen Controlling und vom Risikocontrolling der Kapitalanlage durchgeführt und regelmäßig für die Beurteilung der Risikosituation der Versorgungswerke genutzt wird.

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase haben die Direktinvestitionen in klassischen Rentenpapieren an Bedeutung verloren. Im Gegenzug sind die über Fondsanlagen getätigten Investments stark angestiegen. Insbesondere Beteiligungs- und Immobilieninvestments wurden bei der Anlage stärker berücksichtigt.

Beispiele aus unserem weltweiten Immobilienbestand

Unsere Anlageklassen

Wir investieren die zur Anlage stehenden Gelder weltweit an den Finanz- und Immobilienmärkten und stellen die Verwaltung der Kapitalanlagen mit einem Volumen von insgesamt 81,7 Milliarden Euro entsprechend regulatorischer und kundenspezifischer Anforderungen sicher. Hier geben wir einen Überblick über die Tätigkeiten in den einzelnen Anlageklassen.

Aktieninvestments

Die Aktienanlagen sind weltweit gestreut, wobei die von der Bayerischen Versorgungskammer aufgelegten Fonds unterschiedliche Schwerpunkte haben. Beispielsweise investieren einige Fonds in Large Caps, andere haben ihren Schwerpunkt bei kleineren und mittleren Unternehmen.

Ergänzt werden diese Mandate durch sogenannte Balanced Mandate (Steuerung von Aktien- und Rentenquoten) sowie Absolute Return Fonds, die derivative Instrumente nutzen. 

Alternative Investments

Als alternative Investments verstehen wir unsere Beteiligungen in Private Equity, Infrastruktur und Timber, aber auch unsere Engagements in Hedgefonds. Die Beteiligungsfonds haben mit einer Laufzeit von zehn bis 15 Jahren einen langfristigen Charakter. Diese Fonds orientieren sich nicht an Benchmarks. Aktuell halten die Beteiligungsfonds Anteile an 50 unterschiedlichen Programmen.

Mit der Investition in Hedgefonds versucht die Bayerische Versorgungskammer unabhängig von der Marktentwicklung laufende Erträge zu erzielen. Sie werden daher als Absolute Return Fonds bezeichnet. Die von der Bayerischen Versorgungskammer aufgelegten Dachfonds sind als sogenannte Separate Accounts strukturiert, an denen nur die Versorgungswerke der Bayerischen Versorgungskammer als Investoren beteiligt sind. Dies erhöht die Liquidität, Transparenz und Einflussmöglichkeiten der BVK.

Wertpapier-, Geldhandel- und Realkredite

In diesem Bereich wird ein Volumen von rund 32 Mrd. Euro verwaltet, was in etwa 40 Prozent der gesamten Kapitalanlagen der Bayerischen Versorgungskammer ausmacht.

Aufgrund der aktuellen Zinssituation werden kurzfristige Kapitalanlagen in Form von Tages- und Termingeldern sowie Geldmarktfonds zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung getätigt. Bei den Realkrediten werden großvolumige hypothekenbesicherte Finanzierungen von fertiggestellten Büro-, Einzelhandels- und Wohnimmobilien im deutschsprachigen Raum mit einem maximalen Beleihungsauslauf von derzeit 80 Prozent getätigt.

Alternative Zinsstrategien

Die von der Bayerischen Versorgungskammer aufgelegten Fonds investieren breit diversifiziert in Unternehmensanleihen mit unterschiedlichem Rating (Schuldnerqualität) und in Schwellenländeranleihen (z. B. in asiatischen oder südamerikanischen wachstumsstarken Volkswirtschaften), die aufgrund ihres Risikoaufschlags (Spread) eine deutlich höhere Verzinsung gegenüber deutschen Staatsanleihen aufweisen.

Außerdem stehen wir global in Zusammenarbeit mit anderen Investoren als Partner bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten bereit.

Immobilienfonds

Die Immobilienportfolien der Versorgungseinrichtungen werden nach Risiko- und Renditegesichtspunkten sowie unter Berücksichtigung von Marktentwicklungen und Anlagetrends gesteuert. Wir investieren über Immobilienfonds in nationale und internationale Immobilien, REITS und auch Immo-Debt, um das Immobilienportfolio global zu diversifizieren. Insgesamt sind derzeit rund 17 Mrd. Euro im Immobilienfondssegment investiert.

Immobilien Direktanlage

Neben den Immobilienfonds haben die Versorgungseinrichtungen der Bayerischen Versorgungskammer auch einen Direktbestand an Immobilien in Deutschland. Der An- und Verkauf der Immobilien sowie die Verwaltung erfolgt durch die Bayerische Versorgungskammer. Der Fokus liegt auf Core-Immobilien im Wohn-, Handels- und Bürosegment. Aktuell beträgt das Direktanlagevolumen rund 6 Mrd. Euro.

André Heimrich

Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass sich unsere Anlagestrategie auszahlt und für eine stabile Altersversorgung niemand darauf vertrauen muss, dass die Phase niedriger Zinsen kurz und vorübergehend ist. Unsere Kapitalanlage erarbeitet sorgfältig die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Märkte und ist auf die Anforderungen unserer Versicherten und Versorgungsempfänger ausgerichtet.

André Heimrich, Vorstand Kapitalanlagen

Nachhaltige Kapitalanlage

Wir nehmen nachhaltiges Investieren ernst. Ökologische, soziale und governance-bezogene Aspekte (ESG-Faktoren) spielen bei unserem Investmentprozess eine zentrale Rolle. Sie dienen unserem Risikomanagement und stützen die langfristigen Erträge. Wir betrachten aber nicht nur die Chancen und Risiken. Verantwortliches Investieren und das weiter gefasste Konzept der Investorenverantwortung gehören zu unserer Pflicht.

Die Bayerische Versorgungskammer hat mit ihrem Kapitalanlagevolumen ein beachtliches „Gewicht“ im Kapitalmarkt. Dies gilt es, verantwortungsvoll einzusetzen – allein und im Verbund mit anderen Investoren. Deshalb haben wir als erster Altersversorger in Deutschland die Richtlinien für verantwortungsvolles Investment (PRI) unterzeichnet:

  • Wir beziehen ESG-Themen (ESG=Environmental, Social und Corporate Governance) in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich ein.
  • Wir sind aktive Eigentümer und beziehen ESG-Themen in unsere Aktionärspolitik und -praxis ein.
  • Wir fordern eine angemessene Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen bei den Gesellschaften, in die wir investieren.
  • Wir treiben die Akzeptanz und die Umsetzung dieser Grundsätze in der Investmentbranche voran.
  • Wir arbeiten zusammen, um unsere Wirksamkeit bei der Umsetzung dieser Grundsätze zu steigern.
  • Wir erstatten über unsere Aktivitäten und unsere Fortschritte bei der Anwendung der Grundsätze Bericht.

 

Was bedeutet verantwortliches Investieren in unserer Praxis? Wie setzen wir die ESG-Kriterien um? 

Nachhaltiges Investieren ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Vorgangsweisen und Ansätzen zur Berücksichtigung wichtiger ökologischer, sozialer und governance-bezogener Risiken, Chancen und Auswirkungen unserer Investitionen.

Deshalb ist es für uns wichtig:

  • die Analyse von ESG-Themen in unsere Investmentprozesse zu integrieren,
  • uns bei den Unternehmen zu maßgeblichen ESG-Themen zu engagieren, um das Risiko zu senken, die Performance zu verbessern, angemessene Standards einzufordern und die langfristige Wertschöpfung zu fördern,
  • unseren Gremien, der PRI-Organisation und gegenüber der Öffentlichkeit über unsere Nachhaltigkeitsstrategie zu berichten.
Wir setzen auf Engagement!
Baum mit Herz; Copyright: BrianAJackson - istockphoto

Bei der Konzeption der Nachhaltigkeitsstrategie wurden die verschiedenen Ansätze – Best in Class, Ausschlussprinzip oder Engagement-Ansatz – mit Blick auf unseren Versorgungsauftrag analysiert.

Sowohl das Ausschlussprinzip als auch der Best-in-Class Ansatz haben für unseren Versorgungsauftrag systematische Schwächen. So kann bei einem noch so strengen Ausschlussprinzip letztlich für uns nicht garantiert werden, dass wirklich nur nachhaltige Investments getätigt werden. Dennoch gibt es Bereiche, z. B. Streubombenhersteller, die wir als mögliche Investments ausschließen.

Andererseits verhindert der Best-in-Class Ansatz gerade eine diversifizierte Kapitalanlage und scheidet für uns aus Risikogesichtspunkten aus. Wir haben uns für den sogenannten Engagement-Ansatz entschieden, also die Einflussnahme auf Unternehmen über Stimmrechte, da wir davon überzeugt sind, nur durch einen konstruktiven Dialog mit den Unternehmen unseren maximalen Einfluss ausüben zu können, um diese zum nachhaltigen Wirtschaften anzuhalten. Unser Auftrag als Treuhänderin erfordert es, optimale Renditen zu erwirtschaften und zugleich eine stabile, langfristig ertragreiche und sichere Kapitalanlagepolitik umzusetzen.

Der Engagement-Ansatz des „aktiven Investors“ entspricht auch am umfassendsten den oben vorgestellten Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment. In der Praxis bedeutet dies, dass wir auf allen Ebenen, die uns als Investor zur Verfügung stehen, den Gedanken des nachhaltigen Investierens fördern und fordern. Wir suchen dabei den Dialog mit allen unseren Geschäftspartnern und nehmen maximale Einfluss in allen Anlagebereichen, um ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der PRI-Richtlinien zu gewährleisten. Bei allen unseren Anlageentscheidungen ist es uns wichtig zu wissen, bei wem wir unser Geld investieren. So fordern wir vor jeder Investition eine angemessene Offenlegung der ESG-Faktoren bei den Gesellschaften, in die wir investieren wollen.

Wie erfolgt die konkrete Umsetzung der ESG-Kriterien in den verschiedenen Anlageklassen?

Direkte Immobilien-Anlage und indirekte Immobilien-Anlage in der DACH-Region:

  • Zertifizierung und Standards: Etwa Drei-Viertel unserer Neuinvestitionen sind Immobilien, die einen hohen oder außergewöhnlich hohen Energie-Standard erfüllen (mindestens DGNB / LEED Gold bei Gewerbe oder z.B. KFW 40 Standard bei Wohnen) mit weiter steigender Tendenz.
  • Bei neuen Projektentwicklungen leisten wir zudem im Rahmen von Mobilitäts- und Quartierskonzepten einen bedeutenden Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

 

Indirekte Immobilien-Anlage global:

  • Die Einhaltung von ESG-Kriterien wird bei allen Fonds-Investments in speziellen Fragebögen abgefragt: bei der Managerselektion, bei allen Neuinvestitionen und regelmäßig im laufenden Monitoring bei den Managermeetings.
  • Zudem sind wir im März 2020 als einer der ersten deutschen Asset-Owner Mitglied bei GRESB (Global Real Estate Sustainability Benchmark) geworden. Damit stehen uns sehr gute Vergleichs-Standards für unsere Fonds-Investitionen sowie die Messbarkeit der ESG-Performance unserer Immobilien-Manager zur Verfügung.
  • Ein Großteil unserer Fondsmanager haben die PRI unterschrieben und erfüllen die sich daraus ergebenden (Reporting-)Pflichten zum Thema ESG. Alle von uns mandatierten Manager verfügen über eine interne Nachhaltigkeitspolitik, die wir evaluieren.
  • Wir verfolgen mit steigender Tendenz Investitionen, die einen besonderen „Impact“ im Hinblick auf die Nachhaltigkeit aufweisen, z.B. im Bereich Erneuerbarer Energien und zertifizierter Waldinvestitionen.

Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere haben wir bereits seit 2014 ein ESG-Rating etabliert, das wir monatlich nachhalten und in unsere Investitionsentscheidungen mit einbeziehen.

Das Engagement durch die Wahrnehmung der Stimmrechte über den Dienstleister BMO Global Asset Management wirkt sich in diversen Bereichen der Unternehmen aus:

  • Umweltstandards
  • Klimawandel
  • Menschenrechte
  • Arbeitsstandards
  • Unternehmensverhalten
  • Öffentliche Gesundheit
  • Corporate Governance

Die BMO Global Asset Management nimmt beim Engagement u.a. Bezug zu internationalen Kodizes und Standards wie die Kernübereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, den UN Global Compact sowie nationale Corporate-Governance-Grundsätze und Kodizes bewährter Vorgehensweisen. Diese Standards sind oft aber nur der Ausgangspunkt, sie werden je nach Unternehmen und Relevanz der fraglichen ESG-Themen individuell angepasst. Die Ergebnisse des Engagements und die ESG-Bewertung der Unternehmen werden in Quartalsberichten zusammengefasst und als „Meilensteine“ aufgeführt.

Beispiele für Meilensteine unseres Portfolios, die u.a. auf Anregung von BMO erreicht wurden:

  • Klimawandel: Unternehmen entschließen sich zu Dekarbonatisierungs-Strategien oder entwickeln z.B. branchenführende ökologische Standards.
  • Corporate Governance: Umfassende Board-Erneuerungen, um nachhaltigere Governance Strukturen umzusetzen.
  • Umweltstandards: z.B. hat ein Unternehmen erstmals ein Ziel für seine jährliche Menge an Plastikverpackungen veröffentlicht, die Nutzung und Entsorgung von Plastikflaschen werden transparenter. Dadurch können die Stakeholder Fortschritte kontrollieren und beurteilen.

Weitere Schwerpunktthemen von BMO waren 2019 z.B. Engagement im asiatischen Energiesektor, ein Programm gegen Antibiotikaresistenz, Engagement-Projekte zum Thema Diversität.

Im Rahmen der PRI Mitgliedschaft wurden von uns in 2020 bereits Initiativen mit folgenden Themen verfolgt:

  • Stärkung der Aktionärsrechte in den USA (Teilnahme an Petition gegen geplante Änderungen durch die US-Börsenaufsicht)
  • Aufruf zu Einhaltung von ESG-Kriterien in der Luftfahrtindustrie

Die Messbarkeit und das Reporting der ESG-Umsetzung sind wichtige Bestandteile unserer Aktivitäten. Ziel ist, dass die Nachhaltigkeit unserer Investitionen transparent ist und unser Portfolio weiterhin zukunftsfähig. Daran arbeiten wir kontinuierlich weiter.

Nicole Becker, Nachhaltigkeitsreferentin

Es geht auf lange Sicht nicht ohne verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln, weder bei uns selbst noch bei den Emittenten, in die wir investieren. Wir stehen in der Pflicht, unserer treuhänderischen Aufgabe gerecht zu werden und in Anlagen zu investieren, die langfristig stabile Renditen bringen, ohne Risiken in den Bereichen Soziales, Ökologie oder Governance einzugehen.

Nicole Becker, Nachhaltigkeitsreferentin

Bildnachweis: siehe Impressum