Kapitalanlage

Unser Ansatz

Die Bayerische Versorgungskammer verwaltet für 12 Versorgungseinrichtungen insgesamt Kapitalanlagen in Höhe von rund 97,2 Mrd. Euro (Marktwert, Stand 31.12.2020). Die Grundlage für die Investitionstätigkeit stellt die strategische Planung dar, die regelmäßig in einem Dreijahresrhythmus überarbeitet und aktualisiert wird. Die Ermittlung eines unter Berücksichtigung von Rendite- und Risikogesichtspunkten optimalen Portfolios für die Versorgungswerke erfolgt zum einen unter Berücksichtigung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften und zum anderen unter Berücksichtigung der versicherungsmathematischen Verpflichtungen. Die Grundlage hierfür ist das Asset-Liability-Management, welches gemeinsam vom aktuariellen Controlling und vom Risikocontrolling der Kapitalanlage durchgeführt und regelmäßig für die Beurteilung der Risikosituation der Versorgungswerke genutzt wird.

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase haben die Direktinvestitionen in klassischen Rentenpapieren an Bedeutung verloren. Im Gegenzug sind die über Fondsanlagen getätigten Investments stark angestiegen. Insbesondere Beteiligungs- und Immobilieninvestments wurden bei der Anlage stärker berücksichtigt.

Weitere Informationen stehen Ihnen auch in unseren Jahresberichten in unserer Mediathek zur Verfügung. 

Beispiele aus unserem weltweiten Immobilienbestand

Unsere Anlageklassen

Wir investieren die zur Anlage stehenden Gelder weltweit an den Finanz- und Immobilienmärkten und stellen die Verwaltung der Kapitalanlagen mit einem Volumen von insgesamt 97,2 Milliarden Euro entsprechend regulatorischer und kundenspezifischer Anforderungen sicher. Hier geben wir einen Überblick über die Tätigkeiten in den einzelnen Anlageklassen.

Aktieninvestments

Die Aktienanlagen sind weltweit gestreut, wobei die von der Bayerischen Versorgungskammer aufgelegten Fonds unterschiedliche Schwerpunkte haben. Beispielsweise investieren einige Fonds in Large Caps, andere haben ihren Schwerpunkt bei kleineren und mittleren Unternehmen.

Ergänzt werden diese Mandate durch sogenannte Balanced Mandate (Steuerung von Aktien- und Rentenquoten) sowie Absolute Return Fonds, die derivative Instrumente nutzen. 

Alternative Investments

Als alternative Investments verstehen wir unsere Beteiligungen in Private Equity, Infrastruktur und Timber, aber auch unsere Engagements in Hedgefonds. Die Beteiligungsfonds haben mit einer Laufzeit von zehn bis 15 Jahren einen langfristigen Charakter. Diese Fonds orientieren sich nicht an Benchmarks. Aktuell halten die Beteiligungsfonds Anteile an 50 unterschiedlichen Programmen.

Mit der Investition in Hedgefonds versucht die Bayerische Versorgungskammer unabhängig von der Marktentwicklung laufende Erträge zu erzielen. Sie werden daher als Absolute Return Fonds bezeichnet. Die von der Bayerischen Versorgungskammer aufgelegten Dachfonds sind als sogenannte Separate Accounts strukturiert, an denen nur die Versorgungseinrichtungen der Bayerischen Versorgungskammer als Investoren beteiligt sind. Dies erhöht die Liquidität, Transparenz und Einflussmöglichkeiten der BVK.

Wertpapier-, Geldhandel- und Realkredite

Aufgrund der aktuellen Zinssituation werden kurzfristige Kapitalanlagen in Form von Tages- und Termingeldern sowie Geldmarktfonds zur kurzfristigen Liquiditätssteuerung getätigt.

Bei den Realkrediten werden großvolumige hypothekenbesicherte Finanzierungen von fertiggestellten Büro-, Einzelhandels- und Wohnimmobilien im deutschsprachigen Raum getätigt.

Alternative Zinsstrategien

Die von der Bayerischen Versorgungskammer aufgelegten Fonds investieren breit diversifiziert in Unternehmensanleihen mit unterschiedlichem Rating (Schuldnerqualität) und in Schwellenländeranleihen (z. B. in asiatischen oder südamerikanischen wachstumsstarken Volkswirtschaften), die aufgrund ihres Risikoaufschlags (Spread) eine deutlich höhere Verzinsung gegenüber deutschen Staatsanleihen aufweisen.

Außerdem stehen wir global in Zusammenarbeit mit anderen Investoren als Partner bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten bereit.

Immobilienfonds

Die Immobilienportfolien der Versorgungseinrichtungen werden nach Risiko- und Renditegesichtspunkten sowie unter Berücksichtigung von Marktentwicklungen und Anlagetrends gesteuert. Wir investieren über Immobilienfonds in nationale und internationale Immobilien, REITS und auch Immo-Debt, um das Immobilienportfolio global zu diversifizieren.

Immobilien Direktanlage

Neben den Immobilienfonds haben die Versorgungseinrichtungen der Bayerischen Versorgungskammer auch einen Direktbestand an Immobilien in Deutschland. Der An- und Verkauf der Immobilien sowie die Verwaltung erfolgt durch die Bayerische Versorgungskammer. Der Fokus liegt auf Core-Immobilien im Wohn-, Handels- und Bürosegment.

André Heimrich

Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, dass sich unsere Anlagestrategie auszahlt und für eine stabile Altersversorgung niemand darauf vertrauen muss, dass die Phase niedriger Zinsen kurz und vorübergehend ist. Unsere Kapitalanlage erarbeitet sorgfältig die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Märkte und ist auf die Anforderungen unserer Versicherten und Versorgungsempfänger ausgerichtet.

André Heimrich, Vorstand Kapitalanlagen

Nachhaltige Kapitalanlage

Die nachfolgenden Angaben beinhalten auch die für die freiwillige Versicherung der Zusatzversorgungskasse der bayerischen Gemeinden sowie die Pensionskasse des Schornsteinfegerhandwerkes verpflichtend offenzulegenden Informationen nach §§ 134b und 134c AktG sowie nach Art. 3 ff Offenlegungsverordnung (Verordnung (EU) 2019/2088 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor).

Was bedeutet nachhaltiges Investieren für uns?

Wir nehmen nachhaltiges Investieren ernst. Ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Aspekte (sog. ESG-Kriterien) spielen bei unserem Investmentprozess eine zentrale Rolle. Sie dienen unserem Risikomanagement und stützen die langfristigen Erträge. Wir betrachten aber nicht nur die Chancen und Risiken. Verantwortliches Investieren und das weiter gefasste Konzept der Investorenverantwortung sehen wir als unserer Pflicht an. Die Anlagestrategien der von der Bayerischen Versorgungskammer verwalteten Versorgungseinrichtungen (nachfolgend „die Versorgungseinrichtungen“) ist aufgrund der langfristigen und planbaren Verpflichtungen der Altersversorgung auf die Erzielung langfristig stabiler Erträge ausgerichtet, so dass kurzfristige Schwankungen an den Finanzmärkten getragen werden können. Dabei investieren die Versorgungseinrichtungen bereits heute in erheblichem Umfang in Substanzwerte und illiquide Vermögensanlagen. Aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes ist auch weiterhin eine Erhöhung der Anlage in Substanzwerte und illiquide Anlagen geplant. Der hohe Anteil von Substanzwerten und illiquiden Anlagen in der Vermögensallokation trägt maßgeblich zur mittel- und langfristigen Wertentwicklung der Vermögenswerte bei.

Weitergehende Angaben zur Verteilung und Ausgestaltung der Assetklassen sowie unserem Risikomanagement finden Sie unter Unser Ansatz und in den Geschäftsberichten der einzelnen Versorgungseinrichtungen.

Die Bayerische Versorgungskammer hat mit dem von ihr verwalteten Kapitalanlagevolumen ein beachtliches „Gewicht“ im Kapitalmarkt. Dies gilt es, verantwortungsvoll einzusetzen – allein und im Verbund mit anderen Investoren. Deshalb haben wir als erster Altersversorger in Deutschland die Richtlinien für verantwortungsvolles Investment (PRI) unterzeichnet und uns dabei folgende Ziele gesetzt:

  • Wir beziehen ESG-Themen (ESG=Environmental, Social und Corporate Governance) in die Analyse- und Entscheidungsprozesse im Investmentbereich ein.
  • Wir sind aktive Eigentümer und beziehen ESG-Themen in unsere Aktionärspolitik und -praxis ein.
  • Wir fordern eine angemessene Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen bei den Gesellschaften, in die wir investieren.
  • Wir treiben die Akzeptanz und die Umsetzung dieser Grundsätze in der Investmentbranche voran.
  • Wir arbeiten zusammen, um unsere Wirksamkeit bei der Umsetzung dieser Grundsätze zu steigern.
  • Wir erstatten über unsere Aktivitäten und unsere Fortschritte bei der Anwendung der Grundsätze Bericht.

 

Was bedeutet verantwortliches Investieren in unserer Praxis? Wie setzen wir die ESG-Kriterien um? 

Nachhaltiges Investieren ist ein Oberbegriff für eine Reihe von Vorgangsweisen und Ansätzen zur Berücksichtigung wichtiger ökologischer, sozialer und die Unternehmensführung betreffender Risiken, Chancen und Auswirkungen von Investitionen.

Deshalb ist es für uns wichtig:

  • die Analyse von ESG-Kriterien in unsere Investmentprozesse zu integrieren,
  • uns bei den investierten Unternehmen zu maßgeblichen ESG-Kriterien zu engagieren, um das Risiko nachteiliger Nachhaltigkeitsauswirkungen zu senken, die Performance zu verbessern, angemessene Standards einzufordern und die langfristige Wertschöpfung zu fördern,
  • unseren Gremien, der PRI-Organisation und gegenüber der Öffentlichkeit über unsere Nachhaltigkeitsstrategie zu berichten.

 

Wie sieht eine verantwortungsvolle Unternehmensführung und eine angemessene Vergütungspolitik für uns aus?

Bei der Entwicklung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist der Vorstand eng eingebunden, dieser ist der Maßgabe des Wertekodex verpflichtet. Im Sinne einer verantwortungsvollen Unternehmensführung wurden die Werte, die in unserem Leitbild festgehalten sind, etabliert.

Neben diesen Werten und Leitlinien ist auch die Vergütungspolitik so gestaltet, dass sie mit der Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken in Einklang steht und anstelle beispielsweise einer Beteiligung an der Renditeentwicklung vielmehr Anreize zu nachhaltigem Wirtschaften setzt. Die Vergütung des Vorstands der Bayerischen Versorgungskammer richtet sich nach den Dienstverträgen in Anlehnung an das bayerische Beamtenbesoldungsrecht, die Vergütung der Angestellten nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder. Im Falle von variablen Vergütungsbestandteilen steht für die Zielerreichung insbesondere eine nachhaltige Geschäftsentwicklung und der Schutz vor übermäßigen Risiken im Vordergrund. Die Mitglieder des für jede Versorgungseinrichtung gebildeten Verwaltungsrats, der als Normsetzungs- und Kontrollorgan fungiert, sind ehrenamtlich tätig.

 

Was verstehen wir unter Nachhaltigkeitsrisiken?

Nachhaltigkeitsrisiken sind Ereignisse oder Bedingungen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell wesentliche negative Auswirkungen auf den Wert einer Investition haben könnten. Sie können zu einer erheblichen Verschlechterung der Rentabilität, der Liquidität des zugrundeliegenden Investments oder der Reputation führen. Trotz einer Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsrisiken im Investitionsentscheidungsprozess können Nachhaltigkeitsrisiken zu erheblichen negativen Auswirkungen auf die Marktpreise einer Kapitalanlage führen und somit auch negative Effekte auf ihre Rendite haben. Nachhaltigkeitsrisiken können auf alle bekannten Risikoarten wie beispielsweise auf das Marktrisiko, das Liquiditätsrisiko oder ein operationelles Risiko einwirken und als Faktor zur Wesentlichkeit dieser Risikoarten beitragen. Nachhaltigkeitsrisiken sind in die gängigen Risikoarten eingeschlossen und stellen demnach keine eigenständige Risikoart dar.

Zusammengefasst sind Nachhaltigkeitsrisiken:

Ereignisse oder Bedingungen in den ESG-Bereichen, deren Eintreten potenziell oder tatsächlich negative Auswirkungen auf die Vermögenslage sowie die Reputation der Versorgungseinrichtungen haben könnten;  beispielsweise sind das im Bereich Klima insbesondere physische Risiken (Auswirkungen von Extremwetterereignisse wie Stürme, Waldbrände etc.) und Transitionsrisiken, die im Zusammenhang mit der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft entstehen (Verteuerung und/oder Verknappung fossiler Energieträger aufgrund politischer Maßnahmen oder hohe Investitionen aufgrund erforderlicher Sanierungen von Gebäuden etc.).

 

Was ist unsere Strategie zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken in unseren Investitionsentscheidungsprozessen?

Relevante Nachhaltigkeitsrisiken, die aus unserer Sicht in maßgeblicher Weise wesentliche negative Auswirkungen auf die Rendite einer Investition haben könnten, werden in den Investitionsentscheidungsprozess der Versorgungseinrichtungen einbezogen. Die Strategie zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken wird dabei anlagespezifisch entwickelt.

Im Bereich der Direktanlage investieren wir zum Beispiel bei neuen Immobilienanlagen zur Vermeidung klimarelevanter Risiken verstärkt in zertifizierte Projekte (Einordnung nach DGNB, LEED etc.). Bei unseren Projektentwicklungen tragen unter anderem Mobilitätskonzepte zur Vermeidung von CO2 intensivem Individualverkehr und zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Bei festverzinslichen Wertpapieren haben wir ein ESG-Rating etabliert, das monatlich evaluiert und plausibilisiert wird. Hierbei verbessert sich das ESG-Rating der Emittenten stetig. Während der „Prime Standard“-Anteil 2011 noch unter 50 % lag, konnte diese 2020 erstmals über 90 % gesteigert werden. Der verbleibende „not Prime“-Anteil wird von uns überwacht und analysiert sowie im Dialog mit den Emittenten eine weitere Verringerung angestrebt.

Im Bereich der Fondsanlage wird das Portfoliomanagement von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft ausgeübt bzw. von dieser auf externe Asset Manager ausgelagert. Für den Großteil der Fondsanlagen werden bereits heute Nachhaltigkeitsrisiken bei Investitionsentscheidungen einbezogen und ihre zu erwartenden Auswirkungen auf die Rendite des jeweiligen Fonds bewertet. Die Versorgungseinrichtungen engagieren sich dahingehend, dass Nachhaltigkeitsrisiken im Investitionsentscheidungsprozess durchgängig in allen Fondsanlagen berücksichtigt werden.

 

Was sind die wichtigsten nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen?

Unter den wichtigsten nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen verstehen wir Folgen von Investitionsentscheidungen, die nachteilige Auswirkungen auf die ESG-Kriterien, wie Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung, haben können. Die Versorgungseinrichtungen haben zur Berücksichtigung dieser nachteiligen Auswirkungen Strategien entworfen und interne Prozesse eingerichtet (siehe Umsetzung in den Assetklassen).

Die Möglichkeit zur Berücksichtigung der wichtigsten nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit entsprechender Informationen im Markt ab. Nicht für alle Vermögensgegenstände sind die benötigten Daten bereits heute in ausreichendem Umfang und in der erforderlichen Qualität vorhanden. Wir haben jedoch bereits Ansätze zur ESG-Auswirkungsmessung in unsere Prozesse integriert (PRI-Reporting, GRESB-Reports, CO2-Messungen, ESG-Ratings, etc.), die wir im Abgleich mit den führenden Datenanbietern und im Austausch mit der Investmentbranche und Wissenschaft kontinuierlich weiterentwickeln.

Wir setzen auf Engagement!
Baum mit Herz; Copyright: BrianAJackson - istockphoto

Bei der Konzeption der Nachhaltigkeitsstrategie wurden die verschiedenen Ansätze – Best in Class, Ausschlussprinzip oder Engagement-Ansatz – mit Blick auf unseren Versorgungsauftrag analysiert.

Sowohl das Ausschlussprinzip als auch der Best-in-Class Ansatz haben für unseren Versorgungsauftrag systematische Schwächen. Bei einem primär auf Ausschlüsse basiertem ESG-Ansatz ist die Einschränkung des Anlageuniversums erheblich, eine ausreichende Diversifikation somit nicht möglich und ferner entfallen dort die Einflussmöglichkeiten als Investor. Dennoch gibt es Bereiche, z. B. Hersteller von Streumunition, die wir als mögliche Investments ausschließen. Auch ein Best-in-Class Ansatz verhindert gerade eine diversifizierte Kapitalanlage und scheidet für uns aus Risikogesichtspunkten aus.

Wir haben uns für den sogenannten Engagement-Ansatz entschieden, also die Einflussnahme auf Unternehmen über Stimmrechte, da wir davon überzeugt sind, nur durch einen konstruktiven Dialog mit den Unternehmen unseren Einfluss ausüben zu können, um diese zum nachhaltigen Wirtschaften anzuhalten.

Der Engagement-Ansatz des „aktiven Investors“ entspricht auch am umfassendsten den oben vorgestellten Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investment. In der Praxis bedeutet dies, dass wir auf allen Ebenen, die uns als Investor zur Verfügung stehen, den Gedanken des nachhaltigen Investierens fördern und fordern. Wir suchen dabei den Dialog mit allen unseren Geschäftspartnern und nehmen Einfluss in allen Anlagebereichen, um ein erfolgreiches und nachhaltiges Wirtschaften im Sinne der PRI-Richtlinien zu gewährleisten. So fordern wir eine angemessene Offenlegung der ESG-Kriterien bei den Gesellschaften, in die wir investieren wollen.

Wie erfolgt die konkrete Umsetzung der ESG-Kriterien in den verschiedenen Anlageklassen?

Je nach Anlageziel eines Fonds oder einer Direktinvestition werden ESG-Kriterien geprüft und bei der Entscheidung über ein zu tätigendes Investment berücksichtigt. Fondsmanager müssen sich im Rahmen ihres Mandates an die Anlagepolitik und die gegebenenfalls vorgegebenen Aspekte der Nachhaltigkeit - inklusive Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken - halten und entsprechende Prüfungen des Investments vornehmen und nachweisen können.

Bereits heute ist der Großteil der ausgewählten Asset Manager ebenfalls PRI Unterzeichner. Somit halten sich die Manager ihrerseits auch an die Richtlinien für verantwortungsvolles Investieren.

Zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken und zur Vermeidung von nachteiligen ESG-Auswirkungen haben wir gemäß den Spezifika der jeweiligen Assetklassen entsprechende ESG-Instrumente etabliert. Diese werden von der unmittelbar beim Kapitalanlagenvorstand angesiedelten Stabstelle für Vorstandsangelegenheiten und Nachhaltigkeit entwickelt und gesteuert. Die Umsetzung erfolgt über ausgewählte ESG-Zuständige in den Investmentteams der einzelnen Assetklassen.

Direkte Immobilien-Anlage und indirekte Immobilien-Anlage in der DACH-Region:

  • Zertifizierung und Standards: Etwa Drei-Viertel unserer Neuinvestitionen sind Immobilien, die einen hohen oder außergewöhnlich hohen Energie-Standard erfüllen (mindestens DGNB / LEED Gold bei Gewerbe oder z.B. KFW 40 Standard bei Wohnen) mit weiter steigender Tendenz.
  • Bei neuen Projektentwicklungen leisten wir zudem im Rahmen von Mobilitäts- und Quartierskonzepten einen bedeutenden Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Hierbei stehen sowohl ökologische Aspekte (Reduzierung von Müll, Energieverbrauch etc.), als auch soziale Aspekte wie die Schaffung von Wohnraum und gesunden Lebensräumen mit entsprechender Infrastruktur im Vordergrund.

 

Indirekte Immobilien-Anlage global:

  • Die Einhaltung von ESG-Kriterien wird bei allen Fonds-Investments in speziellen Fragebögen abgefragt: bei der Managerselektion, bei allen Neuinvestitionen und regelmäßig im laufenden Monitoring bei den Managermeetings.
  • Zudem sind wir im März 2020 als einer der ersten deutschen Asset-Owner Mitglied bei GRESB (Global Real Estate Sustainability Benchmark) geworden. Damit stehen uns sehr gute Vergleichs-Standards für unsere Fonds-Investitionen sowie die Messbarkeit der ESG-Performance unserer Immobilien-Manager zur Verfügung
  • Ein Großteil der Fondsmanager haben die PRI unterschrieben und erfüllen die sich daraus ergebenden (Reporting-)Pflichten zum Thema ESG. Alle mandatierten Manager verfügen über eine interne Nachhaltigkeitspolitik, die regelmäßig evaluiert wird.
  • Wir verfolgen zudem Investitionen, die einen besonderen „Impact“ im Hinblick auf die Nachhaltigkeit aufweisen, z.B. im Bereich Erneuerbarer Energien und zertifizierter Waldinvestitionen.

Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere haben wir bereits seit 2011 ein ESG-Rating etabliert, das wir monatlich nachhalten und in die Investitionsentscheidungen mit einbeziehen. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit einer der weltweit führenden Rating-Agenturen im nachhaltigen Anlagesegment sowie durch unsere intern durchgeführte Ratingplausibilisierung können potentielle Nachhaltigkeitsrisiken erkannt und in die Investmententscheidung aufgenommen werden. 

Die Aktienanlage der Versorgungseinrichtungen erfolgt ausschließlich indirekt im Rahmen einer mehrstufigen Fondskonstruktion, wobei Aktienanlagen in Zielfonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt werden. Ein zentraler Baustein der Anlagesteuerung ist dabei die aktive Einflussnahme, das heißt insbesondere die gezielte Interaktion (Engagement) mit Unternehmen im Rahmen einer aktiven Aktionärspolitik, um auf eine stärkere Beachtung von ESG-Kriterien hinzuwirken.

Aufgrund der mehrstufigen Fondskonstruktion im Bereich der Aktienanlage treffen die Versorgungseinrichtungen weder mit der Kapitalverwaltungsgesellschaft (Vermögensverwalter) eine Vereinbarung noch wirken sie selbst in den Ziel-Unternehmen mit. Die Stimmrechte werden vielmehr von der Kapitalverwaltungsgesellschaft über einen Stimmrechtsberater, BMO Global Asset Management (nachfolgend BMO), für die in den Investmentfonds verwalteten Aktien ausgeübt. Der Stimmrechtsberater erhält Zielvorgaben für das Abstimmungsverhalten. Über die Bündelung von Aktionärsrechten über den Stimmrechtsberater erfolgt dabei eine Zusammenarbeit mit anderen Aktionären eines Ziel-Unternehmens. Die Umsetzung der Mitwirkungspolitik und das Abstimmungsverhalten ist dem Responsible Ownership Acitivity Report von BMO zu entnehmen.

Weitere Informationen zum Stimmrechtsberater BMO sind den folgenden Dokumenten zu entnehmen:

Das Engagement durch die Wahrnehmung der Stimmrechte über den Dienstleister BMO Global Asset Management wirkt sich in diversen Bereichen der Unternehmen aus:

  • Umweltstandards
  • Klimawandel
  • Menschenrechte
  • Arbeitsstandards
  • Unternehmensverhalten
  • Öffentliche Gesundheit
  • Corporate Governance

BMO nimmt beim Engagement u.a. Bezug zu internationalen Kodizes und Standards wie die Kernübereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation, die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, den UN Global Compact sowie nationale Corporate-Governance-Grundsätze und Kodizes bewährter Vorgehensweisen. Diese Standards sind oft aber nur der Ausgangspunkt, sie werden je nach Ziel-Unternehmen und Relevanz der fraglichen ESG-Kriterien individuell angepasst. Die Ergebnisse des Engagements und die ESG-Bewertung der Ziel-Unternehmen werden in Quartalsberichten zusammengefasst und als „Meilensteine“ aufgeführt.

Beispiele für Meilensteine unseres Portfolios, die u.a. auf Anregung von BMO erreicht wurden:

  • Klimawandel: Unternehmen entschließen sich zu Dekarbonatisierungs-Strategien oder entwickeln z.B. branchenführende ökologische Standards.
  • Corporate Governance: Umfassende Board-Erneuerungen, um nachhaltigere Governance Strukturen umzusetzen.
  • Umweltstandards: z.B. hat ein Unternehmen erstmals ein Ziel für seine jährliche Menge an Plastikverpackungen veröffentlicht, die Nutzung und Entsorgung von Plastikflaschen werden transparenter. Dadurch können die Stakeholder Fortschritte kontrollieren und beurteilen.

Im Rahmen der PRI Mitgliedschaft wurden von uns in 2020 bereits Initiativen mit folgenden Themen verfolgt:

  • Stärkung der Aktionärsrechte in den USA (Teilnahme an Petition gegen geplante Änderungen durch die US-Börsenaufsicht)
  • Aufruf zu Einhaltung von ESG-Kriterien in der Luftfahrtindustrie
  • Investors Policy Dialogue on Deforestation in Brazil (IPDD Brazil)

Die Messbarkeit und das Reporting der ESG-Umsetzung sind wichtige Bestandteile unserer Aktivitäten. Ziel ist, dass die Nachhaltigkeit unserer Investitionen transparent ist und unser Portfolio weiterhin zukunftsfähig. Daran arbeiten wir kontinuierlich weiter:

  • um dem Thema Klimaneutralität gerecht zu werden, sind wir im Mai 2021 der Net-Zero Asset Owner Alliance beigetreten. Die Mitglieder verpflichten sich, die CO2-Emissionen ihrer Anlageportfolios bis 2050 auf netto Null zu reduzieren.
  • auch auf Unternehmensebene beschäftigen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit und erstellen aktuell einen Nachhaltigkeitsbericht in Anlehnung an die GRI-Standards.
Nicole Becker, Leiterin der Stabsstelle für Vorstandsangelegenheiten und Nachhaltigkeit

Es geht auf lange Sicht nicht ohne verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln, weder bei uns selbst noch bei den Emittenten, in die wir investieren. Wir stehen in der Pflicht, unserem Versorgungsauftrag gerecht zu werden und in Anlagen zu investieren, die langfristig stabile Renditen bringen, ohne Risiken in den Bereichen Soziales, Ökologie oder Governance einzugehen.

Nicole Becker, Leiterin der Stabsstelle für Vorstandsangelegenheiten und Nachhaltigkeit im Bereich Kapitalanlagen

Bildnachweis: siehe Impressum