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06.10.2026

„BVK im Dialog“ mit Tom Buhrow: „Die Welt im Umbruch – Deutschland im Wandel“

Tom Buhrow bei "BVK im Dialog". Copyright: Fabian Vogl

Bereits zum 20. Mal fand am 28.09.2026 im arabeska in München „BVK im Dialog“ statt. Mit der Veranstaltungsreihe lädt die Bayerische Versorgungskammer jährlich ihre Gremienmitglieder sowie Vertreter aus Verbänden, Aufsicht, Verwaltung, Politik und Wirtschaft zum fachorientierten Meinungsaustausch ein. In diesem Jahr konnte mit dem Medienmacher und ehemaligen WDR-Intendanten Tom Buhrow ein hochrangiger Keynote-Speaker zum Thema „Die Welt im Umbruch – Deutschland im Wandel“ gewonnen werden.

In seiner Begrüßung wies Axel Uttenreuther, Vorstandsvorsitzender der BVK, darauf hin, dass geopolitische Verschiebungen, internationale Krisen, Fragen der Energieversorgung und Sicherheit sowie die fortschreitende Digitalisierung heute nahezu alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche beträfen. Deutschland stehe dabei im Zentrum vieler dieser Veränderungen. Jede Zeit des Wandels würde aber auch immer neue Möglichkeiten bieten: Die entscheidende Frage sei daher nicht, ob sich die Welt verändert, sondern wie wir mit diesen Veränderungen umgehen und welche Zukunft wir daraus gestalten wollen. Tom Buhrow könne als leidenschaftlicher Journalist mit langjähriger internationaler Erfahrung und aufmerksamer Beobachter unserer Gesellschaft hierzu sicherlich sehr interessante Ansätze liefern – und mit dieser Vermutung sollte Axel Uttenreuther Recht behalten.

 Die Welt im Epochenwandel

Tom Buhrow leitete seinen Vortrag damit ein, dass er die nationalen und internationalen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen aus der Vogelperspektive einordnen wolle. So befänden wir uns derzeit in einer Übergangszeit, die es zu gestalten gäbe. Die momentane Lag sei kein gewöhnlicher Umbruch, wie er in der Vergangenheit immer wieder mal vorgekommen sei. Vielmehr müsse man heute von einem Epochenwandel sprechen, der sich jedoch schon seit längerer Zeit angedeutet habe.

Der tiefgreifende Wandel sei bereits 1990 mit Ende der Sowjetunion und dem damit einhergehenden Ende der bipolaren Welt eingeleitet worden. Und auch die Abkehr der USA von der Sicherheitsgarantie, von der Europa lange profitierte, habe bereits in den 90er Jahren begonnen. Buhrow verwies hierbei auf Podiumsrunden und Gespräche, an denen er damals in den USA teilgenommen habe: Wann immer von deutscher Seite Hinweise kamen, wie fortschrittlich doch die Sozialsysteme in Europa seien, hätte von amerikanischer Seite bereits damals die gereizte Antwort gelautet: „Die könnt Ihr Euch nur leisten, weil wir Eure Rechnung für Sicherheit bezahlen“, so Buhrow. Und völlig aus der Welt sei dieser Vorwurf auch nicht gewesen.

Die Sicherheitspolitik Deutschlands hätte sich bis 1990 in einem infantilen Zustand befunden, sprich, für die Deutschen sei gesorgt worden, waren sie doch der Puffer zur Sowjetunion. Zwischen 1990 und jetzt sei weiter abgerüstet worden, was in den USA sehr kritisch betrachtet worden sei. Und auch wenn heute die Verteidigungsausgaben schrittweise auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden sollen, stellte Buhrow in diesem Zusammenhang die Frage, wie ernst die Verteidigungsbereitschaft der Deutschen denn eigentlich sei. „Wie wichtig ist uns Freiheit? Wie wichtig ist uns Wohlstand?“

Zwischen regionaler und europäischer Selbstfindung

Im Hinblick auf den notwendigen Wandel in Deutschland könne vielleicht ein Blick über den großen Teich helfen. Tom Buhrow berichtete hierbei von seinen persönlichen Erfahrungen, die er in seiner Zeit in den USA mitgenommen habe: „Wenn Du an etwas glaubst und hart arbeitest, dann kannst Du es erreichen – das gilt auch für eine Nation.“

Hinsichtlich des schwierigen Nationalbewusstseins befand es Buhrow für mehr als verständlich, dass Deutschland nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus erst einmal in eine Schockstarre verfallen sei. Grundsätzlich wolle sich jeder Mensch mit einer Gemeinschaft identifizieren. Und die Deutschen hätten dies nach unten und oben delegiert: Man sei entweder stolz auf seine Region oder auf Europa. Die Deutschen würden Europa lieben und vielleicht sogar idealisieren, so Buhrows Analyse. Insbesondere den osteuropäischen Staaten sei es hingegen wichtig, ihre nationale Identität zu behalten. Zwar stünden auch sie durchaus zu Europa, würden aber darin nicht aufgehen wollen „wie ein Stück Zucker in Tee”, so Buhrow.

Von daher sei es vor dem Hintergrund des epochalen Wandels wichtig, dass wir als Deutsche mit uns ins Reine kommen. Und auch hierfür hätte ihn die Zeit in den USA geprägt, wo er gelernt habe: „Wenn Du weißt, wer Du bist und was Du willst, kannst Du Berge versetzen. Wenn Du es nicht weißt, schlingerst Du auf offener See.“ Sofern wir dies beherzigten und umsetzten, könnten wir Deutschland zu einem guten Neustart verhelfen, der auch all unseren europäischen Nachbarn zugutekäme.

 

Über Tom Buhrow

Tom Buhrow ist einer der profiliertesten Medienmacher Deutschlands mit außergewöhnlich breiter Erfahrung - sowohl im Programm-Management als auch in der journalistischen Arbeit. 

Er leitete den WDR zwei Amtszeiten (2013-2024) lang als Intendant und transformierte den größten Sender der ARD von Grund auf – hin zu einer neuen schlanken Arbeitsweise, in der Hörfunk, Fernsehen und Internet keine getrennten Bereiche mehr sind. In seiner Zeit als Intendant hatte er zusätzlich zweimal den Vorsitz der ARD inne. 

Einem breiteren Publikum ist Tom Buhrow als Erster Moderator der TAGESTHEMEN (2007-2013) bekannt. Sein Markenzeichen war sein sachlicher, zugewandter Stil, der trotz der oft ernsten Nachrichten Zuversicht vermittelte. So verabschiedete er sich am Schluss jeder Sendung mit dem Satz: „Das waren die Tagesthemen von heute - morgen ist ein neuer Tag.“ 

Zuvor hatte Buhrow das ARD-Studio in Washington geleitet. Er war insgesamt 13 Jahre für die ARD als Korrespondent in Washington und Paris. Seine Beobachtungen und Erfahrungen in der internationalen Politik erlauben ihm einen geweiteten Blick auf das Weltgeschehen und die damit verbundenen Herausforderungen für Deutschland.

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